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Gehalt im Praktikum

So viel verdient man als Praktikant

Wenn du neben der Schule oder dem Studium einfach nur ein wenig Geld dazu verdienen willst, suchst du dir am besten einen Nebenjob. Willst du aber mit Hinblick auf deine berufliche Laufbahn wichtige Praxiserfahrung sammeln, solltest du ein Praktikum absolvieren. Macht sich ja auch immer gut im Lebenslauf!

Was man allerdings oft hört: Praktikanten und Praktikantinnen bekommen für ihre Arbeit keine Vergütung oder nur eine geringe Aufwandsentschädigung. Der tatsächliche Lohn ist die gesammelte Erfahrung und der Einblick in den Arbeitsalltag. Aber reicht das? Damit du besser planen kannst, solltest du dich im Vorfeld deines Praktikums informieren, wann du Anspruch auf eine Bezahlung hast.

Hast du noch gar keine Praktikumsplatz gefunden, in dem du ein Gehalt bekommen könntest? Wir haben bestimmt eine passende Stelle für dich im Angebot!

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt kein generelles Recht auf ein Praktikumsgehalt.
  • Ob du bezahlt wirst, hängt in erster Linie davon ab, ob du ein freiwilliges Praktikum oder ein Pflichtpraktikum machst.
  • Unter Umständen hast du als Praktikant Anspruch auf den Mindestlohn (9,60 Euro im Monat).
  • Geld ist nicht das Wichtigste – auch ein unbezahltes Praktikum kann sich lohnen.
  • Das Gehalt als Praktikant reicht dir nicht? Dann ist ein Werkstudentenjob vielleicht genau das Richtige für dich!

Gibt es ein Recht auf Praktikumsgehalt?

Einen allgemeingültigen Vergütungsanspruch für Praktikanten gibt es in Deutschland leider nicht. Ob ein Arbeitgeber seinen Praktikanten ein Gehalt bezahlen muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Entscheidend bei der Frage „Praktikumsgehalt, ja oder nein?“ ist vor allem, ob es sich bei dem Praktikum um ein Pflichtpraktikum handelt. So eins ist oft in der Studienordnung vorgeschrieben. Laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) sind Unternehmen nämlich nur in diesem und einem weiteren Fall davon befreit, ihren Praktikanten einen Lohn zu zahlen: Wenn es sich bei dem Praktikum um ein Praktikum zur Orientierung für eine Berufsausbildung oder zur Aufnahme eines Studiums handelt. Ein sogenanntes Orientierungspraktikum.

Allerdings kann man nicht sagen: Orientierungspraktikum = kein Gehalt. Die entscheidende Rolle spielt in diesem Fall nämlich auch die Praktikumsdauer. Die magische Grenze liegt hier bei drei Monaten.

Wann bekomme ich im Praktikum Gehalt?

Als Praktikant bzw. Praktikantin hast du rechtlichen Anspruch auf eine Bezahlung von deinem Arbeitgeber, wenn du …

  • … ein freiwilliges studien- bzw. ausbildungsbegleitendes Praktikum oder Orientierungspraktikum absolvierst, das länger als drei Monate dauert.

  • … ein freiwilliges Praktikum ohne Bezug zu deiner beruflichen Ausbildung absolvierst. Beispiel: Du studierst Informatik und machst aus reinem Interesse ein Praktikum im Krankenhaus.

  • dein Studium oder deine Ausbildung bei Praktikumsantritt bereits abgeschlossen hast. In diesem Fall muss dein Arbeitgeber dir auch bei einem Praktikum mit einer Dauer von weniger als drei Monaten Gehalt zahlen.

Willst oder ein freiwilliges Praktikum machen und suchst eine passende Praktikumsstelle? Oder willst du dich erstmal zum Thema freiwillige Praktikum informieren?

Frau bekommt gutes Gehalt für ihr Praktikum

Wann bekomme ich kein Gehalt im Praktikum?

Im Umkehrschluss hast du als Praktikant keinen rechtlichen Anspruch auf eine Vergütung, wenn du…

  • ein Pflichtpraktikum absolvierst, das deine Studien-, Schul- oder Ausbildungsordnung vorschreibt. Die Praktikumsdauer ist hier egal.

  • … ein freiwilliges Praktikum mit einer Dauer von höchstens drei Monaten machst, das dir zur Orientierung für ein Studium oder eine Ausbildung dient. Beispiel: Nach deinem Abitur überlegst du, Informatik zu studieren und machst daher ein Praktikum bei einer Software-Firma, um die dortige Arbeit kennenzulernen.

  • … ein freiwilliges Praktikum mit einer Dauer von höchstens drei Monaten absolvierst, das dein Studium bzw. deine Ausbildung begleitet. Beispiel: Während deines Informatik-Studiums machst du ein Praktikum bei einer Software-Firma, um Erfahrungen zu sammeln.

Achtung, Ausnahme!

Die allermeisten Praktika sind mit diesen Regeln abgedeckt. Eine Ausnahme betrifft jedoch Praktikanten und Praktikantinnen, die noch nicht volljährig sind und zudem noch keine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Sie haben leider keinen Anspruch auf eine Praktikumsvergütung.

Solltest du allerdings noch während deines Praktikums 18 Jahre alt werden, hast du ab diesem Zeitpunkt ebenfalls das Recht auf Entlohnung!

Mindestlohn: Profitieren auch Praktikanten davon?

Aber wie viel Gehalt steht dir im Fall der Fälle jetzt zu? Wenn die Bedingungen für ein Praktikumsgehalt erfüllt sind – du also ein freiwilliges Praktikum machst, das länger als drei Monate dauert – muss dein Arbeitgeber dir laut Mindestlohngesetz (MiLoG) den gesetzlich festgeschriebenen Brutto-Mindestlohn zahlen. Dieser beträgt in Deutschland derzeit 9,60 Euro (Stand: Oktober 2021).

Ein kleines Rechenbeispiel: Bei einer üblichen Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche und 20 Arbeitstagen im Monat bekommt ein Praktikant 1.536 Euro brutto überwiesen.

Mindestlohngesetz

Das Mindestlohngesetz (kurz: MiLoG) ist seit dem 1. Januar 2015 in Kraft. Seitdem erhalten alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland einen allgemeinen und flächendeckenden Mindestlohn. Ein Arbeitgeber darf seinen Arbeitnehmern also nicht weniger zahlen, als diese Lohnuntergrenze vorschreibt.

Seit dem 1. Juli 2021 beträgt der Mindestlohn 9,60 Euro. Bis zum 1. Juli 2022 soll er schrittweise auf 10,45 Euro erhöht werden.

Kein oder zu wenig Gehalt: Bekomme ich im Praktikum BAföG?

Du bekommst kein Geld für dein Praktikum oder das Gehalt reicht einfach nicht, um damit deinen Lebensunterhalt zu bestreiten? Dann solltest du checken, ob du Anspruch auf BAföG hast. Falls du monatlich BAföG-Förderung überwiesen bekommst, heißt das allerdings nicht, dass das auch während deines Praktikums ununterbrochen weiterpassiert. Und wenn du ein Praktikumsgehalt bekommst, musst du dich auf jeden Fall auf Kürzungen einstellen.

Ob du in deinem Praktikum weiter mit den Zahlungen vom BAföG-Amt rechnen kannst, verraten wir dir in unserem Ratgeber zum Thema BAföG für Praktikanten:

Auf der Suche nach einem Praktikumsplatz? Dann gib einfach in die Suche ein, was oder wo du ein Praktikum suchst und wir zeigen dir die alle freien Stellen, die zu deinen Bedürfnissen passen!

BAföG-Rechner

Praktikum Steuern: Muss ich als Praktikant Steuern zahlen?

Als Praktikantin oder Praktikant bist du nicht generell davon befreit, Steuern zu zahlen. Ob jedoch Lohnsteuer oder Sozialversicherungsbeiträge von deinem Gehalt abgeführt werden, hängt ganz davon ab, wie viel du im Praktikum monatlich verdienst.

Wann muss ich im Praktikum Lohnsteuer zahlen?

Es kann sein, dass du während deinem Praktikum Lohnsteuer zahlen musst. Allerdings nur dann, wenn du – hochgerechnet auf ein Jahr – den sogenannten Grundfreibetrag von 9.744 Euro (Stand: Oktober 2021) überschreitest. Das entspricht in etwa einem monatlichen Brutto-Gehalt von 1.100 Euro.

Solltest du den Grundfreibetrag mit deinem Praktikumsgehalt überschreiten, musst du aber nicht dein gesamtes Einkommen versteuern, sondern lediglich das, was die 9.744 Euro übersteigt. Bist du aufgrund deiner Vergütung im Praktikum lohnsteuerpflichtig, führt dein Arbeitgeber die Steuer direkt an das Finanzamt ab – du musst dich also nicht selbst darum kümmern.

Lohnsteuerrechner

Wenn du wissen willst, ob und wenn ja, wie viel Lohnsteuer du im Praktikum zahlen musst, kannst du den Lohn- und Einkommenssteuerrechner des Bundesministeriums für Finanzen (BMF) nutzen. Such dafür einfach bei nach „Lohnsteuerrechner BMF“, füttere den Rechner mit deinen Daten und lass dir anzeigen, ob und wie viel Lohnsteuer du entrichten musst.

Muss ich im Praktikum Kirchensteuer zahlen?

Wenn du der katholischen oder evangelischen Kirche angehörst und lohnsteuerpflichtig bist, musst du im Praktikum auch Kirchensteuer zahlen. Wie viel, hängt von deiner Lohnsteuer ab – die Kirchensteuer beträgt 8–9 % der Lohnsteuer. Zahlst du monatlich zehn Euro Lohnsteuer, beträgt deine Kirchensteuer also ca. 0,80 bis 0,90 Euro. Wenn du konfessionslos bist oder in deinem Praktikum nicht genug verdienst um lohnsteuerpflichtig zu sein, musst du auch keine Kirchensteuer zahlen.

Sozialversicherung im Praktikum: Welche Beiträge muss ich zahlen?

Ob du in deinem Praktikum Beiträge zur Sozialversicherung zahlen musst, hängt ebenfalls von der Höhe deiner Praktikumsvergütung ab. In unserem Ratgeber zum Thema Krankenversicherung zeigen wir dir übersichtlich, unter welchen Bedingungen du welche Sozialversicherungsbeiträge zahlen musst:

Lohnt sich ein unbezahltes oder schlecht bezahltes Praktikum?

Auch wenn du ein Pflichtpraktikum bzw. ein kurzes Orientierungspraktikum machst und damit keinen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn hast, heißt das natürlich nicht gleich, dass du in deinem Praktikum überhaupt nichts verdienst. In diesem Fall kann dein Arbeitgeber jedoch individuell entscheiden, ob und wie viel Gehalt er dir zahlt.

Denn feststeht: Ein Arbeitgeber darf dich immer bezahlen, wenn er möchte!

In vielen Fällen erklären sich Arbeitgeber bereit, ihren Praktikanten und Praktikantinnen statt dem Mindestlohn zumindest eine Aufwandsentschädigung zu zahlen. Oft liegt diese im Bereich von 400 bis 450 Euro monatlich und soll etwa die Fahrtkosten zum Arbeitsplatz abdecken.

Vorstellungsgespräch

Ob und wie viel Lohn du in deinem Praktikum erwarten kannst, solltest du bereits im Vorstellungsgespräch erfragen. Auch im Praktikumsvertrag wird das Gehalt neben weiteren Formalitäten wie Beginn und Dauer des Praktikums, der täglichen Arbeitszeit oder dem Urlaubsanspruch festgehalten.

Aber es gibt leider auch noch einige Branchen, in denen unbezahlte Praktika weiterhin nicht unüblich sind. Dazu zählen etwa die Medien-, die Werbe- sowie die Tourismus-Branche. Und das mag zunächst unfair klingen – immerhin arbeitet man ja genauso acht Stunden täglich wie alle anderen Mitarbeiter auch. Die Aussage „Kein Gehalt = Praktikum lohnt sich nicht“, ist trotzdem Quatsch!

Wenn du nicht auf ein Gehalt angewiesen bist, solltest du ein unbezahltes Praktikum nie kategorisch ablehnen. Allerdings solltest du dir in diesem Fall sicher sein, dass der Gegenwert stimmt. Es ist daher wichtig, dass du als angehender Praktikant vor Beginn deiner Tätigkeit (am besten schon im Vorstellungsgespräch) mit deinem zukünftigen Arbeitgeber besprichst, was dich während deiner Zeit im Unternehmen erwartet. Danach solltest du überlegen, welchen Mehrwert das unbezahlte (oder nur schlecht vergütete) Praktikum für dich haben kann.

Hier einige Gründe, warum sich für dich auch ein nicht vergütetes Praktikum lohnen kann:

  • „Probieren geht über Studieren“: Bevor du dich auf einen Karriereweg fixierst, solltest du sichergehen, dass dieser Job dir überhaupt gefällt. Ein Praktikum im jeweiligen Beruf ist ein guter Weg, dies herauszufinden!
  • Arbeitspraxis sammeln: In nahezu jeder Stellenausschreibung für einen Job steht, dass Berufserfahrung gewünscht ist. Bevor du dein Studium oder deine Ausbildung abgeschlossen hast, kannst du diese Praxis aber fast ausschließlich durch eines bekommen: Praktika.
  • Kontakte, Kontakte, Kontakte: Das berühmt-berüchtigte „Vitamin B“. Ein Praktikum hilft dir dabei, bereits während Schulzeit, Ausbildung oder Studium Bekanntschaften innerhalb der Branche zu machen, in der du einmal arbeiten möchtest. Wenn später eine Stelle frei wird, ist es nur von Vorteil, wenn man sich im Unternehmen positiv an dich erinnert. Aber auch über im Praktikum geknüpfte Kontakte zu verschiedenen Personenkreisen wie etwa Kunden kannst du im Laufe deiner Karriere zu spannenden Jobangeboten kommen.
  • Ein gut gefüllter Lebenslauf: Selbst, wenn dir das Praktikum nur wenig Spaß gemacht hat und du möglicherweise sogar beschließt, beruflich eine andere Richtung einzuschlagen, ist ein Praktikum nie verlorene Zeit. Jede Tätigkeit füllt schließlich den Lebenslauf und bedeutet, dass du Berufs- und Lebenserfahrung gesammelt hast. Vielen Recruitern ist ein gut gefüllter Lebenslauf wichtiger als ein schickes Anschreiben oder gute Noten!

Mehr Gehalt als im Praktikum: Als Werkstudent arbeiten

Wenn dir das Gehalt im Praktikum zu niedrig ist, kannst du dir auch einen Job als Werkstudent suchen. So werden Studentinnen und Studenten bezeichnet, die an einer Hochschule eingeschrieben sind und neben dem Studium bis zu 20 Wochenstunden (in der vorlesungsfreien Zeit bis zu 40 Stunden pro Woche) in einem Unternehmen arbeiten. Der Unterschied zu einem normalen Nebenjob: Ein Werkstudentenjob hat einen fachlichen Bezug zum Studium.

Als Werkstudent kannst du also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wichtige Berufserfahrung sammeln und gutes Geld verdienen. Du bekommst nämlich mindestens den gesetzlichen Mindestlohn von 9,60 Euro (Stand: Oktober 2021), meistens aber sogar mehr.

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