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Gehalt im Praktikum

So viel verdient man als Praktikant

Wenn du neben der Schule oder dem Studium einfach nur ein wenig Geld dazu verdienen willst, suchst du dir am besten einen Nebenjob. Willst du aber mit Hinblick auf deine berufliche Laufbahn wichtige Praxiserfahrung sammeln, solltest du ein Praktikum absolvieren. Macht sich ja auch immer gut im Lebenslauf!

Was man allerdings oft hört: Praktikanten und Praktikantinnen bekommen für ihre Arbeit keine Vergütung oder nur eine geringe Aufwandsentschädigung. Der tatsächliche Lohn ist die gesammelte Erfahrung und der Einblick in den Arbeitsalltag. Aber reicht das?

Damit du besser planen kannst, solltest du dich im Vorfeld deines Praktikums informieren, wann du Anspruch auf eine Bezahlung hast.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt kein generelles Recht auf ein Praktikumsgehalt.
  • Ob du bezahlt wirst, hängt in erster Linie davon ab, ob du ein freiwilliges Praktikum oder ein Pflichtpraktikum machst.
  • Unter Umständen hast du als Praktikant Anspruch auf den Mindestlohn (9,50 Euro im Monat).
  • Geld ist nicht das Wichtigste – auch ein unbezahltes Praktikum kann sich lohnen.

Gibt es ein Recht auf Praktikumsgehalt?

Einen allgemeingültigen Vergütungsanspruch für Praktikanten gibt es in Deutschland leider nicht. Ob ein Arbeitgeber seinen Praktikanten ein Gehalt bezahlen muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Entscheidend bei der Frage „Praktikumsgehalt, ja oder nein?“ ist vor allem, ob es sich bei dem Praktikum um ein Pflichtpraktikum handelt. So eins ist oft in der Studienordnung vorgeschrieben. Laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) sind Unternehmen nämlich nur in diesem und einem weiteren Fall davon befreit, ihren Praktikanten einen Lohn zu zahlen: Wenn es sich bei dem Praktikum um ein Praktikum zur Orientierung für eine Berufsausbildung oder zur Aufnahme eines Studiums handelt. Ein sogenanntes Orientierungspraktikum.

Allerdings kann man nicht sagen: Orientierungspraktikum = kein Gehalt. Die entscheidende Rolle spielt in diesem Fall nämlich auch die Praktikumsdauer. Die magische Grenze liegt hier bei drei Monaten.

Wann bekomme ich im Praktikum Gehalt?

Als Praktikant bzw. Praktikantin hast du rechtlichen Anspruch auf eine Bezahlung von deinem Arbeitgeber, wenn du …

  • … ein freiwilliges studien- bzw. ausbildungsbegleitendes Praktikum oder Orientierungspraktikum absolvierst, das länger als drei Monate dauert.

  • … ein freiwilliges Praktikum ohne Bezug zu deiner beruflichen Ausbildung absolvierst. Beispiel: Du studierst Informatik und machst aus reinem Interesse ein Praktikum im Krankenhaus.

  • dein Studium oder deine Ausbildung bei Praktikumsantritt bereits abgeschlossen hast. In diesem Fall muss dein Arbeitgeber dir auch bei einem Praktikum mit einer Dauer von weniger als drei Monaten Gehalt zahlen.

Frau bekommt gutes Gehalt für ihr Praktikum

Wann bekomme ich kein Gehalt im Praktikum?

Im Umkehrschluss hast du als Praktikant keinen rechtlichen Anspruch auf eine Vergütung, wenn du…

  • ein Pflichtpraktikum absolvierst, das deine Studien-, Schul- oder Ausbildungsordnung vorschreibt. Die Praktikumsdauer ist hier egal.

  • … ein freiwilliges Praktikum mit einer Dauer von höchstens drei Monaten machst, das dir zur Orientierung für ein Studium oder eine Ausbildung dient. Beispiel: Nach deinem Abitur überlegst du, Informatik zu studieren und machst daher ein Praktikum bei einer Software-Firma, um die dortige Arbeit kennenzulernen.

  • … ein freiwilliges Praktikum mit einer Dauer von höchstens drei Monaten absolvierst, das dein Studium bzw. deine Ausbildung begleitet. Beispiel: Während deines Informatik-Studiums machst du ein Praktikum bei einer Software-Firma, um Erfahrungen zu sammeln.

Achtung, Ausnahme!

Die allermeisten Praktika sind mit diesen Regeln abgedeckt. Eine Ausnahme betrifft jedoch Praktikanten und Praktikantinnen, die noch nicht volljährig sind und zudem noch keine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Sie haben leider keinen Anspruch auf eine Praktikumsvergütung.

Solltest du allerdings noch während deines Praktikums 18 Jahre alt werden, hast du ab diesem Zeitpunkt ebenfalls das Recht auf Entlohnung!

Mindestlohn: Profitieren auch Praktikanten davon?

Aber wie viel Gehalt steht dir im Fall der Fälle jetzt zu? Wenn die Bedingungen für ein Praktikumsgehalt erfüllt sind – du also ein freiwilliges Praktikum machst, das länger als drei Monat dauert – muss dein Arbeitgeber dir laut Mindestlohngesetz (MiLoG) den gesetzlich festgeschriebenen Brutto-Mindestlohn zahlen. Dieser beträgt in Deutschland derzeit 9,50 Euro (Stand: Mai 2021).

Ein kleines Rechenbeispiel: Bei einer üblichen Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche und 20 Arbeitstagen im Monat bekommt ein Praktikant 1.520 Euro brutto überwiesen.

Mindestlohngesetz

Das Mindestlohngesetz (kurz: MiLoG) ist seit dem 1. Januar 2015 in Kraft. Seitdem erhalten alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland einen allgemeinen und flächendeckenden Mindestlohn. Ein Arbeitgeber darf seinen Arbeitnehmern also nicht weniger zahlen, als diese Lohnuntergrenze vorschreibt.

Seit dem 1. Januar 2021 beträgt der Mindestlohn 9,50 Euro. Bis zum 1. Juli 2022 soll er schrittweise auf 10,45 Euro erhöht werden.

Kein oder zu wenig Gehalt: Bekomme ich im Praktikum BAföG?

Du bekommst kein Geld für dein Praktikum oder das Gehalt reicht einfach nicht, um damit deinen Lebensunterhalt zu bestreiten? Dann solltest du checken, ob du Anspruch auf BAföG hast. Die erste Frage, die du dir dafür stellen musst: Mache ich ein Pflichtpraktikum oder ein freiwilliges Praktikum?

Hast du vor oder nach deinem Studium einfach nur Lust, praktische Erfahrung zu sammeln und machst deswegen ein freiwilliges Praktikum, wirst du kein BAföG bekommen. Sorry! Nur wenn das Praktikum Teil deines Studiums bzw. während deiner Studienzeit absolviert wird, kannst du BAföG erhalten.

Was ist eigentlich BAföG?

BAföG ist die Abkürzung für Bundesausbildungsförderungsgesetz. Durch ist die staatliche Unterstützung von Schülern und Studenten geregelt. Umgangssprachlich wird mit dem Kürzel BAföG meist aber einfach die Förderung bezeichnet, die sich aus dem Gesetz ergibt – also die Summe, die du monatlich überwiesen bekommst.

Die Voraussetzungen zum BAföG-Anspruch sind dabei dieselben wie beim Studium selbst – das Pflichtpraktikum gehört halt auch zum Studium dazu. Wenn du nicht weißt, ob du Anspruch auf BAföG hast, solltest du dich zunächst darüber informieren. Eine gute Anlaufstelle dafür ist das Deutsche Studentenwerk – google doch einfach mal nach „Studentenwerk BAföG“.

Nicht vergessen!

Achtung: Damit du während deines Praktikums auch garantiert weiter dein BAföG überwiesen bekommst, muss dein Arbeitgeber einen Eignungsnachweis ausfüllen. Der bestätigt, dass dein Praktikum die von deiner Uni gestellten Anforderungen an das Pflichtpraktikum erfüllt. Informiere dich darüber am besten bei deinem Arbeitgeber oder deinem zuständigen BAföG-Amt.

Wenn du BAföG erhältst, ist die Förderung während deines Pflichtpraktikums genauso hoch wie in der „normalen“ Studienzeit – ganz egal, ob das Praktikum vor oder während deines Studiums stattfindet. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Praktikum unbezahlt ist. Bei Pflichtpraktika ist das aber meistens der Fall.

Anders ist es, wenn du ein freiwilliges Praktikum absolvierst oder für dein Pflichtpraktikum bezahlt wirst.

Bekomme ich trotz Praktikumsgehalt noch BAföG?

Das Wichtigste zuerst: Wenn du während deines Studiums ein freiwilliges Praktikum machst, bekommst du weiter BAföG. Entscheidend ist in diesem Fall nur, dass dein Studium deine Hauptbeschäftigung bleibt und nicht unter dem Praktikum leidet. Aber auch, wenn du für dein freiwilliges oder dein Pflichtpraktikum bezahlt wirst, hören die BAföG-Zahlungen nicht auf.

Stelle dich aber auf Kürzungen ein, wenn du ein Praktikumsgehalt bekommst!

Freiwillige Praktika werden dabei genauso behandelt wie Nebenjobs: Bis zu einem Verdienst von 5.400 Euro jährlich (= 12 x 450 Euro), dem sogenannten Einkommens-Freibetrag, erhältst du dein volles BAföG. Dem Amt ist dabei egal, ob du die 5.400 Euro an einem Tag oder über das ganze Jahr hinweg verdienst. Solltest du innerhalb des Zeitraums jedoch mehr verdienen, wird der Teil, der darüber hinausgeht, mit deinem BAföG verrechnet – du bekommst also weniger überwiesen.

Bei Pflichtpraktika aus, in denen du ein Gehalt bekommst, gibt es hingegen keinen Freibetrag – deine Einnahmen werden komplett mit deinem BAföG-Satz verrechnet.

Wie viel wird von meinem BAföG abgezogen?

Die Berechnung, auf wie viel deines BAföGs du verzichten musst, wenn du im Praktikum Geld verdienst, ist ziemlich kompliziert. Informiere dich daher entweder bei deinem zuständigen BAföG-Amt oder lass dir von einem BAföG-Rechner helfen. Davon findest du im Internet einige – such bei Google einfach nach „BAföG Rechner“.

BAföG-Rechner

Lohnt sich ein unbezahltes oder schlecht bezahltes Praktikum?

Auch wenn du ein Pflichtpraktikum bzw. ein kurzes Orientierungspraktikum machst und damit keinen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn hast, heißt das natürlich nicht gleich, dass du in deinem Praktikum überhaupt nichts verdienst. In diesem Fall kann dein Arbeitgeber jedoch individuell entscheiden, ob und wie viel Gehalt er dir zahlt.

Denn feststeht: Ein Arbeitgeber darf dich immer bezahlen, wenn er möchte!

In vielen Fällen erklären sich Arbeitgeber bereit, ihren Praktikanten und Praktikantinnen statt dem Mindestlohn zumindest eine Aufwandsentschädigung zu zahlen. Oft liegt diese im Bereich von 400 bis 450 Euro monatlich und soll etwa die Fahrtkosten zum Arbeitsplatz abdecken.

Vorstellungsgespräch

Ob und wie viel Lohn du in deinem Praktikum erwarten kannst, solltest du bereits im Vorstellungsgespräch erfragen. Auch im Arbeitsvertrag wird das Gehalt neben weiteren Formalitäten wie Beginn und Dauer des Praktikums, der täglichen Arbeitszeit oder dem Urlaubsanspruch festgehalten.

Aber es gibt leider auch noch einige Branchen, in denen unbezahlte Praktika weiterhin nicht unüblich sind. Dazu zählen etwa die Medien-, die Werbe- sowie die Tourismus-Branche. Und das mag zunächst unfair klingen – immerhin arbeitet man ja genauso acht Stunden täglich wie alle anderen Mitarbeiter auch. Die Aussage „Kein Gehalt = Praktikum lohnt sich nicht“, ist trotzdem Quatsch!

Wenn du nicht auf ein Gehalt angewiesen bist, solltest du ein unbezahltes Praktikum nie kategorisch ablehnen. Allerdings solltest du dir in diesem Fall sicher sein, dass der Gegenwert stimmt. Es ist daher wichtig, dass du als angehender Praktikant vor Beginn deiner Tätigkeit (am besten schon im Vorstellungsgespräch) mit deinem zukünftigen Arbeitgeber besprichst, was dich während deiner Zeit im Unternehmen erwartet. Danach solltest du überlegen, welchen Mehrwert das unbezahlte (oder nur schlecht vergütete) Praktikum für dich haben kann.

Hier einige Gründe, warum sich für dich auch ein nicht vergütetes Praktikum lohnen kann:

  • „Probieren geht über Studieren“: Bevor du dich auf einen Karriereweg fixierst, solltest du sichergehen, dass dieser Job dir überhaupt gefällt. Ein Praktikum im jeweiligen Beruf ist ein guter Weg, dies herauszufinden!
  • Arbeitspraxis sammeln: In nahezu jeder Stellenausschreibung für einen Job steht, dass Berufserfahrung gewünscht ist. Bevor du dein Studium oder deine Ausbildung abgeschlossen hast, kannst du diese Praxis aber fast ausschließlich durch eines bekommen: Praktika.
  • Kontakte, Kontakte, Kontakte: Das berühmt-berüchtigte „Vitamin B“. Ein Praktikum hilft dir dabei, bereits während Schulzeit, Ausbildung oder Studium Bekanntschaften innerhalb der Branche zu machen, in der du einmal arbeiten möchtest. Wenn später eine Stelle frei wird, ist es nur von Vorteil, wenn man sich im Unternehmen positiv an dich erinnert. Aber auch über im Praktikum geknüpfte Kontakte zu verschiedenen Personenkreisen wie etwa Kunden kannst du im Laufe deiner Karriere zu spannenden Jobangeboten kommen.
  • Ein gut gefüllter Lebenslauf: Selbst, wenn dir das Praktikum nur wenig Spaß gemacht hat und du möglicherweise sogar beschließt, beruflich eine andere Richtung einzuschlagen, ist ein Praktikum nie verlorene Zeit. Jede Tätigkeit füllt schließlich den Lebenslauf und bedeutet, dass du Berufs- und Lebenserfahrung gesammelt hast. Vielen Recruitern ist ein gut gefüllter Lebenslauf wichtiger als ein schickes Anschreiben oder gute Noten!

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