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Praktikum Mindestlohn

Wann bekomme ich im Praktikum den Mindestlohn?

Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland das Mindestlohngesetz (MiLoG). Das Gesetz sorgt dafür, dass Arbeitnehmer für ihre Arbeit fair bezahlt werden. Schlecht vergütete oder sogar unbezahlte Praktika sind seitdem seltener geworden – ob du als Praktikant aber tatsächlich vom Mindestlohn profitierst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der Entscheidendste ist, dass das Praktikum nicht Teil deiner Berufsausbildung ist.

Auf dieser Seite sagen wir dir, ob dein Praktikum die Anforderungen für den Mindestlohn erfüllt und wenn ja, wie viel du bekommst. Außerdem beantworten wir weitere oft gestellte Fragen zum Thema Mindestlohn im Praktikum.

Das Wichtigste in Kürze

  • Derzeit beträgt der Mindestlohn in Deutschland 9,60 Euro pro Stunde.
  • Ob du als Praktikant den Mindestlohn bekommst, hängt hauptsächlich von der Art deines Praktikums und der Praktikumsdauer ab.
  • In einem freiwilligen Praktikum sind deine Chancen auf eine Vergütung viel höher als in einem Pflichtpraktikum.
  • Ob du den Mindestlohn bekommst, sollte in deinem Praktikumsvertrag stehen.

Bist du noch auf der Suche nach einem Praktikumsplatz? Oder hast du Fragen zum Thema Praktikumsgehalt, die nicht den Mindestlohn betreffen?

Mindestlohn im Praktikum: Wie hoch ist der Mindestlohn für Praktikanten?

Es macht keinen Unterschied, ob du einen regulären Vollzeitjob hast, dein Budget neben dem Studium mit einem Nebenjob aufbesserst oder ein bezahltes Praktikum absolvierst – der Mindestlohn ist in Deutschland immer gleich hoch.

Seit Juli 2021 beträgt der Mindestlohn 9,60 Euro pro Stunde. Am 1. Januar 2022 steigt er auf 9,82 Euro und am 1. Juli 2022 auf 10,45 Euro.

Ist der Mindestlohn im Praktikum brutto oder netto?

Ob der gesetzliche Mindestlohn in brutto oder netto angegeben wird, lässt sich ganz leicht beantworten: Es handelt sich um den Bruttolohn. Bei einer 40-Stunden-Woche verdienst du also ein Bruttomonatsgehalt von 1536 Euro.

Was bedeutet brutto und netto?

Der Begriff brutto bezeichnet eine zusammengesetzte Größe, die – um bestimmte Teile vermindert – die verbleibende Größe (netto) ergibt. In Bezug auf dein Gehalt bedeutet das: Der Bruttolohn ist die gesamte Summe, die dein Arbeitgeber zahlt und der Nettolohn ist das, was abzüglich Steuern und Versicherungen auf deinem Konto landet.

Da der Mindestlohn in brutto angegeben wird, kannst du leider nicht mit der vollen Summe zahlen. Denn auch als Praktikantin oder Praktikant bist du steuerpflichtig. Wie viel genau von deinem Praktikumsgehalt abgezogen wird, lässt sich jedoch nicht generell sagen. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, die wir dir in unserem Gehaltsratgeber erläutern:

Bei welchen Praktikumsarten bekomme ich den Mindestlohn?

Entscheidend bei der Frage, ob du in deinem Praktikum den Mindestlohn bekommst, ist vor allem eins: die Art des Praktikums. Wenn du ein sogenanntes Pflichtpraktikum absolvierst – also ein Praktikum, das in deiner Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschrieben ist – wirst du den Mindestlohn höchstwahrscheinlich nicht bekommen. Bei einem freiwilligen Praktikum stehen deine Chancen deutlich besser.

Neben der Art des Praktikums ist noch eine weitere Sache entscheidend bei der Frage „Mindestlohn ja oder nein?“: die Praktikumsdauer. Wenn dein Praktikum drei Monate oder kürzer ist, stehen deine Chancen auf den Mindestlohn auch bei einem freiwilligen Praktikum nicht ganz so gut.

In den nächsten beiden Abschnitten sagen wir dir ganz genau, ob du in deinem Pflichtpraktikum oder deinem freiwilligen Praktikum Anspruch auf den Mindestlohn hast.

Freiwilliges Praktikum Mindestlohn: Bekomme ich Mindestlohn?

Als freiwilliges Praktikum wird ein Praktikum bezeichnet, das nicht in deiner Studienordnung oder Prüfungsordnung vorgeschrieben ist. Du bekommst im freiwilligen Praktikum den gesetzlichen Mindestlohn, wenn du…

  • … ein studien- oder ausbildungsbegleitendes Praktikum oder ein Orientierungspraktikum machst, das länger als drei Monate dauert.
  • … ein Praktikum absolvierst, das keinen Bezug zu deinem Studium oder deiner Ausbildung hat. Die Dauer ist hierbei egal.
  • … dein Studium oder deine Ausbildung beim Start des Praktikums schon abgeschlossen hast. Auch in diesem Fall ist die Praktikumsdauer egal.
  • … in einem Unternehmen schon mal ein Praktikum gemacht hast und die Dauer beider Praktika zusammengerechnet drei Monate übersteigt.

Du hast im freiwilligen Praktikum keinen Anspruch auf den Mindestlohn, wenn du…

  • … ein studien- oder ausbildungsbegleitendes Praktikum oder ein Orientierungspraktikum machst, das drei Monate oder weniger dauert.
  • … während des Praktikums noch nicht 18 Jahre alt bist und auch noch keine abgeschlossene Berufsausbildung hast.

Pflichtpraktikum Mindestlohn: Bekomme ich den Mindestlohn?

Ein Pflichtpraktikum ist ein Praktikum, das in deiner Studienordnung oder Prüfungsordnung vorgeschrieben ist. Du musst es zwingend absolvieren, um deinen Abschluss machen zu können. In der Regel finden Pflichtpraktika während deiner Studienzeit statt, in selteneren Fällen aber auch davor oder danach.

Machst du ein Pflichtpraktikum und hoffst darauf, dass du den Mindestlohn bekommst? Dann haben wir leider schlechte Nachrichten für dich: Pflichtpraktika gehören offiziell zu deiner Berufsausbildung und sind deshalb vom Mindestlohngesetz ausgeschlossen. Dein Arbeitgeber ist also nicht verpflichtet, dir den Mindestlohn zu bezahlen.

Das bedeutet glücklicherweise nicht, dass Praktikantinnen und Praktikanten im Pflichtpraktikum nie eine Vergütung bekommen. Oft zahlen Unternehmen freiwillig ein Gehalt oder zumindest eine Aufwandsentschädigung.

Gibt es einen Tarifvertrag für Praktikanten?

Ja, sowas wie einen Tarifvertag für Praktikanten gibt es. Allerdings betreffen Tarifverträge nur Praktika, die im Rahmen einer Ausbildung im öffentlichen Dienst absolviert werden – beispielsweise Heilpraktiker, Sozialarbeiter oder Pharmazeutisch-Technische Assistenten. Aus diesen Tarifverträgen gehen nicht nur Gehalt und Arbeitszeiten, sondern auch die Arbeitsbedingungen und weitere Einzelheiten wie Urlaubsanspruch und Krankenbezüge hervor.

Für Praktika, die freiwillig oder als Pflichtpraktika im Rahmen eines Studiums absolviert werden, gibt es bislang keine Tarifverträge.

Mindestlohn im Praktikum: Woher weiß ich, ob mein Arbeitgeber mich fair bezahlt?

Wenn dein Praktikum die Voraussetzungen für den Mindestlohn erfüllt, ist dein Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, dir mindestens 9,60 Euro (Stand: November 2021) pro Stunde zu bezahlen. Das sind pro Monat 1.536 Euro brutto.

Damit es keine Missverständnisse gibt, solltest du das Thema Gehalt direkt im Vorstellungsgespräch mit deinem potentiellen Arbeitgeber besprechen. Wenn du die Zusage für das Praktikum bekommst, solltest du außerdem auf einen Praktikumsvertrag bestehen. Darin werden alle rechtlichen Rahmenbedingungen deines Praktikums wie Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch und natürlich auch dein Gehalt festgehalten. Dort sollte also stehen, dass du mindestens 9,60 Euro pro Stunde bzw. 1.536 Euro monatlich bekommst.

Bekommt man als Werkstudent den Mindestlohn?

Ein Praktikum ist hauptsächlich dazu da, Berufserfahrung zu sammeln und Einblick in eine Branche zu bekommen. Die Vergütung sollte nur eine Nebenrolle spielen. Wenn du praktische Erfahrung sammeln und trotzdem gutes Geld verdienen willst, solltest du dich stattdessen nach einem Job als Werkstudent umschauen. In einem Werkstudentenjob bekommst du nämlich immer mindestens den gesetzlichen Mindestlohn.

Willst du wissen, wie viel man als Werkstudent so verdienen kann? Oder willst du dich direkt nach einem Werkstudentenjob umschauen?