Mindestlohn im Praktikum?

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Mindestlohn FAQ für Praktikanten

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Bekomme ich in meinem Praktikum Mindestlohn?

Ja und nein – ob du im Praktikum Mindestlohn erhältst hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Absolvierst du ein Pflichtpraktikum im Rahmen deiner Studienordnung, dann hast du leider kein Recht auf Mindestlohn, ganz egal wie lange das Praktikum dauert. Ebenfalls kein Recht auf Mindestlohn im Praktikum hast du, wenn das Praktikum keinen Bezug zu deinem Studium hat.

Anders sieht das bei freiwilligen Praktika während des Studiums aus. Denn sobald dieses länger als drei Monate dauert, wirst du mit dem Mindestlohn vergütet. Ist das Praktikum kürzer als drei Monate, dann gehst du leider wieder leer aus. Aber: Möchtest du erneut im selben Betrieb ein Praktikum absolvieren, dann muss dir von Beginn an der Mindestlohn bezahlt werden.
Studienabsolventen steht uneingeschränkt der Mindestlohn zu, wenn das Praktikum im Bezug zum absolvierten Studiengang steht.

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Für welche Art von Praktika gilt der Mindestlohn in Deutschland?

Der Mindestlohn in Deutschland gilt für freiwillige, studienbegleitende Praktika, die länger als drei Monate dauern. Hast du dein Studium bereits abgeschlossen, steht dir sogar ohne jede zeitliche Einschränkung der Mindestlohn zu.

Ausgeschlossen sind daher Pflichtpraktika und freiwillige Praktika mit einer Dauer von weniger als drei Monaten. Auch Orientierungspraktika vor dem Studium oder Praktika, die in keinem Zusammenhang mit Studium oder Ausbildung stehen, müssen in Deutschland nicht mit Mindestlohn vergütet werden. Bei freiwilligen Praktika unter drei Monaten gibt es allerdings eine Ausnahme. Kehrst du als Praktikant für ein erneutes Praktikum ins Unternehmen zurück, so ist dies offiziell dein vierter Praktikumsmonat und dir steht ab sofort der Mindestlohn in Deutschland zu.

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Ich habe neben dem Praktikum einen Minijob. Bekomme ich Mindestlohn?

Natürlich bekommst du in deinem Minijob den Mindestlohn. Hast du den Minijob schon vor dem Mindestlohngesetz gehabt, musst du nun allerdings prüfen, ob du mit der aktuellen Arbeitszeit die Grenze von 450 Euro überschreitest. Denn dann ist dein Minijob kein Minijob mehr, sondern ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Einfachste Lösung ist in dem Fall, die Stundenzahl zu reduzieren und anzupassen.

Bei deinem Praktikum dagegen hängt der Mindestlohn davon ab, ob du ein Pflicht- oder freiwilliges Praktikum absolvierst. Denn während freiwillige Praktika von einer Dauer von mehr als drei Monaten mit dem Mindestlohn vergütet werden müssen, ist das bei Pflichtpraktika nicht der Fall – und das unabhängig von der Dauer.

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Gesetzlicher Mindestlohn im Praktikum. Wer hat Anspruch darauf?

Ein gesetzlicher Mindestlohn gilt tatsächlich nicht für jede Art des Praktikums. Ob du Anspruch hast oder nicht, hängt vor allem von der Art des Praktikums ab. Ausgenommen sind Pflichtpraktika, da diese Teil des Studiums und rechtlich gesehen kein Beschäftigungsverhältnis sind. Ein gesetzlicher Mindestlohn gilt dagegen für freiwillige, studienbegleitende Praktika, die länger als drei Monate dauern. Kürze Praktika unterliegen einer Sonderregel und sind vom Mindestlohn ausgenommen. Sobald du aber ein zweites Praktikum in dem selben Betrieb absolvierst und damit die drei Monate überschreitest, hast du recht auf den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 die Stunde.

Ebenfalls Recht auf Mindestlohn im Praktikum, haben Hochschulabsolventen und das ohne jede zeitliche Einschränkung.

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Mindestlohn: Pro und Contra nach der Einführung des Mindestlohns

Mindestlohn pro/contra Diskussionen gab es seit der Einführung des Gesetzes viele. Das stärkste Pro Argument ist dabei, dass un- oder unterbezahlte Arbeit weitestgehend bekämpft wird. Gerade Praktikanten leisten häufig volle Arbeit und erhalten dafür keinen Lohn, dies ist nun, zumindest eingeschränkt, unterbunden.

Auf der anderen Seite wird befürchtet, dass Praktika von einer Länge von mehr als drei Monaten nur noch in Ausnahmefällen angeboten werden, da erst ab einer Dauer von drei Monaten Mindestlohn gezahlt werden muss. Praktika zwischen drei und sechs Monaten bieten jedoch den höchsten Lerneffekt.

Welche positive Prognosen und Befürchtungen aus der Mindestlohn pro/contra Diskussion sich bewahrheiten, bleibt aber noch abzuwarten.

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Für wen gibt es Mindestlohn ab 2015?

Der Mindestlohn 2015 gilt tatsächlich nicht uneingeschränkt für jeden Praktikanten. Uneingeschränktes Recht haben Hochschulabsolventen, die im Anschluss an das Studium ein Praktikum absolvieren.

Studienbegleitende, freiwillige Praktika werden erst bei einer Dauer von mehr als drei Monaten mit dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 vergütet. Kürzere Praktika sowie Pflichtpraktika sind vom Mindestlohn ab 2015 ausgenommen. Das heißt natürlich nicht, dass dir dein Arbeitgeber nicht trotzdem eine Vergütung zahlt. Schau doch mal in unserer Praktikumsbörse, hier findest du viele bezahlte Praktikumsplätze.

Machst du neben deinem (Pflicht-)Praktikum einen Minijob, dann hast du hier natürlich auch Recht auf eine Bezahlung, die mindestens dem Mindestlohn entspricht. Profitierst du in deinem Minijob bereits vom Mindestlohn, dann solltest du nur beachten, dass du auch weiterhin die Grenze von 450 Euro im Monat nicht überschreiten darfst.

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Welchen Stundenlohn bekomme ich im Praktikum?

Bislang lag der durchschnittliche Stundenlohn im Praktikum bei knapp drei Euro. Nach dem Mindestlohn Gesetz stehen dir nun 8,50 die Stunde zu – zumindest dann, wenn es sich um ein freiwilliges Praktikum handelt, das länger als drei Monate dauert. Für Pflichtpraktika ist rechtlich gesehen keine Vergütung vorgeschrieben, wird dir dennoch eine bezahlt, kann der Stundenlohn deutlich vom Mindestlohn abweichen. In der Regel wird aber kein Stundenlohn, sondern ein monatlicher Pauschalbetrag gezahlt. Arbeitest du in deinem Praktikum 40 Stunden in der Woche, sollte der monatliche Bruttobetrag 1360 Euro nicht unterschreiten, denn dies entspricht dem Stundenlohn von 8,50 Euro.

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Sind die 8,50 Euro Mindestlohn brutto oder netto?

Ob der Mindestlohn brutto oder netto ist, lässt sich leicht beantworten. Es handelt sich hier im den Bruttolohn. Bei einer 40 Stunden Woche verdienst du also ein brutto-Monatsgehalt von 1360 Euro. Dein Nettolohn liegt damit bei rund 1027 Euro, wenn du in Steuerklasse 1 und kirchsteuerpflichtig bist.

Hast du dagegen einen Minijob, ändert sich durch den Mindestlohn nichts, hier ist der Mindestlohn weiterhin dein Nettoeinkommen. Aufpassen solltest du jedoch, was deinen Gesamtverdienst im Minijob angeht. Verdienst du bei gleicher Stundenzahl nun mehr als 450 Euro, gilt dein Job nicht mehr als Minijob. Du solltest die Stundenzahl entsprechend anpassen.

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Wo auf meiner Gehaltsabrechnung steht, ob ich Mindestlohn bekomme?

Bekommst du für dein Praktikum ein festes Monatsgehalt, dann kannst du dir mit Hilfe deiner Gehaltsabrechnung ganz einfach ausrechnen, ob dein Gehalt dem Mindestlohn von 8,50 die Stunde entspricht.

Am einfachsten geht dies mit einem Online-Gehaltsrechner. Hier musst du nur dein Bruttogehalt und deine Wochenarbeitszeit aus deiner Gehaltsabrechnung entnehmen und eintragen und schon bekommst du den Stundenlohn ausgerechnet.

Du kannst deinen Stundenlohn aber auch manuell ausrechnen. Hierfür nimmst du die einfache Rechnung:

Bruttogehalt geteilt durch die Stunden im Monat.

Es sind also zwei Rechenschritte notwendig, da zunächst einmal die Stunden im Monat errechnet werden müssen.

Schritt 1: (Wochenarbeitszeit mal 13) durch 3 = durchschnittliche Arbeitsstunden

Schritt 2: Durchschnittliche Arbeitsstunden durch Brutto-Monatslohn

Eine Beispielrechnung, bei der wir von einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden und einem Bruttolohn von 1360 Euro ausgehen, sieht also wie folgt aus:

Schritt 1: (35 X 13) : 3 = 151,66

Schritt 2: 1360 : 151,66 = 8,96

Der Stundenlohn liegt also über dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50!

Übrigens, wirst du nach Stunden bezahlt, wie es beispielsweise bei Werkstudenten-Tätigkeiten üblich ist, dann sollte der Stundenlohn auch auf der Gehaltsabrechnung zu finden sein.

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Gibt es so etwas wie einen Tarifvertrag für Praktikanten?

Ja, sowas wie einen Tarifvertag für Praktikanten gibt es, allerdings betreffen Tarifverträge nur Praktika, die im Rahmen einer Ausbildung im öffentlichen Dienst absolviert werden, wie beispielsweise Heilpraktiker, Sozialarbeiter oder Pharmazeutisch-Technische Assistenten. Aus diesen Tarifverträgen gehen nicht nur Gehalt und Arbeitszeiten, sondern auch die Arbeitsbedingungen und weitere Einzelheiten wie Urlaubsanspruch und Krankenbezüge hervor.

Für Praktika, die freiwillig oder als Pflichtpraktika im Rahmen eines Studiums absolviert werden, gibt es bislang keine Tarifverträge.

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Welche Mindestlohn Ausnahmen gibt es? Gehöre ich dazu?

Ausnahmen vom Mindestlohn gibt es gerade in Bezug auf Praktikanten einige. Diese betreffen vor allem alle Pflichtpraktikanten. Ist dein Praktikum also von der Studienordnung vorgeschrieben, dann besteht für dich eine Mindestlohn Ausnahme. In diesem Fall steht dir leider gar kein Gehalt zu, da das Praktikum kein Arbeitsverhältnis sondern Teil des Studiums ist.

Eine weitere Mindestlohn Ausnahme betrifft freiwillige Praktika, die eine Dauer von drei Monaten nicht übertreffen. Denn erst bei einer Dauer von mehr als drei Monaten hast du als Praktikant Mindestlohnanspruch. Das gilt übrigens auch dann, wenn du nach einem dreimonatigen Praktikum, ein weiteres Praktikum im selben Betrieb machst. Auch der Bezug zu deinem Studium kann sich auf dein Recht auf Mindestlohn auswirken. Hat das Praktikum keinerlei Bezug zu deinem Studium, ist der Arbeitgeber ebenfalls nicht verpflichtet, dir den Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde zu zahlen.

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Ich mache ein Pflichtpraktikum. Bekomme ich Mindestlohn?

Du musst jetzt ganz stark sein, denn leider muss kein Mindestlohn im Pflichtpraktikum gezahlt werden. Dies liegt daran, dass ein Pflichtpraktikum Teil deines Studiums ist und somit nicht als Beschäftigungsverhältnis angesehen wird. Es kommt leider noch schlimmer, denn genau genommen hast du überhaupt keinen Anspruch auf eine Praktikumsvergütung. Das heißt natürlich nicht, dass dir kein Gehalt gezahlt werden darf. So kann dir dein Arbeitgeber natürlich durchaus den Mindestlohn im Pflichtpraktikum, oder eine frei verhandelte Summe zahlen. Mehr Infos zum Thema Praktikumsvergütung findest du natürlich auch in unserem Ratgeber.