Dein Praktikumszeugnis oder Die Entschlüsselung des Da Vinci Codes.

Welche Rechte habe ich als Praktikant?

Dein Arbeitgeber will dir kein Zeugnis ausstellen oder es ist nicht so, wie du es dir vorgestellt hast? Die wichtigsten Fragen zum Thema Praktikumszeugnis beantworten wir dir hier.


1

Dein Recht auf ein Praktikumszeugnis

Du hast dich in deinem Praktikum wirklich angestrengt, viel gearbeitet und dennoch stehst du am Ende ohne Zeugnis da oder mit einem, das dir überhaupt nicht zusagt? Auch in puncto Arbeitszeugnis hat man als Praktikant Rechte, die man im Notfall einfordern sollte. Aber bitte immer dran denken: Arbeitgeber sind auch nur Menschen. Manchmal dauert es einfach mit dem Zeugnis, weil etwas dazwischenkommt, oder eine deiner Aufgaben zu erwähnen, wurde unabsichtlich vergessen. Bevor man also böse Absicht unterstellt, sollte man erst einmal freundlich nachfragen.

Ich habe kein Arbeitszeugnis bekommen. Habe ich auch für ein kurzes Praktikum einen Anspruch darauf?
Als Praktikant hat man genauso einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis wie andere Arbeitnehmer auch – ganz egal, wie lange du im Unternehmen tätig warst. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses hast du das Recht, ein Zeugnis anzufordern. Dieses Recht ist allerdings zeitlich begrenzt: Ein Jahr hast du Zeit, das Arbeitszeugnis einzufordern. Kümmere dich also am besten direkt nach dem Praktikum darum, damit du es nicht vergisst.


2

Nicht alles Chefsache

Wie lange muss ich auf mein Zeugnis warten?
Grundsätzlich gibt es keine Vorschriften dazu, wann dein Arbeitgeber dir dein Zeugnis aushändigen muss. Zwei Wochen sollten aber normalerweise ausreichen, um das Arbeitszeugnis zu erstellen. Auch hier ist allerdings auf die Umstände zu achten: Wenn klar ist, dass im Unternehmen gerade aufgrund besonderer Ereignisse wenig Zeit ist, sollte man dem Arbeitgeber mehr Zeit einräumen.

Darf ich mein Zeugnis selbst schreiben?
Wenn der Chef darum bittet, das Zeugnis vorzuformulieren, dann muss man keine rechtlichen Bedenken haben. Solange alle Formalitäten erfüllt sind und am Ende Unterschrift und Stempel drunter gesetzt sind, ist das Zeugnis genauso gültig wie ein Dokument ohne Selbstbeteiligung. Die Tücken liegen allerdings in den Formulierungen. Damit es trotzdem ein gutes Zeugnis wird, solltest du vor dem Schreiben den Geheimcode der Chefs lernen.

Muss der Chef das Zeugnis unterschreiben?
Nein, ein Arbeitszeugnis muss nicht vom Chef persönlich unterschrieben werden. Es reicht also aus, wenn ein (weisungsbefugter) Vertreter des Unternehmens dein Zeugnis unterzeichnet. Häufig ist das dein Praktikumsbetreuer. Ausnahme: Warst du direkt der Geschäftsleitung unterstellt, muss auch ein Mitglied der Geschäftsleitung dein Zeugnis ausstellen.

Ich wohne weiter weg vom Arbeitsplatz. Muss ich mir mein Zeugnis trotzdem persönlich abholen?
Ja, denn als ehemaliger Arbeitnehmer hat man eine sogenannte Holschuld. Im Gegenzug muss der Arbeitgeber das Zeugnis für die Abholung bereitstellen. Nur in Ausnahmesituationen in denen es ein nachweisbar sehr großer Aufwand wäre, das Zeugnis persönlich entgegenzunehmen, ist der Arbeitgeber dazu angehalten, das Zeugnis zu verschicken. Oder, wenn du sowieso schon viel zu lange auf dein Zeugnis warten musstest und der Arbeitgeber zeitlich im Verzug ist.

Finde jetzt ein Praktikum in deinem Traumberuf!


3

Es allen recht machen

Mein Zeugnis ist nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Was kann ich tun?
Zunächst einmal das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen, häufig können sich formelle Unstimmigkeiten ganz einfach beheben lassen. Rechtlich muss man unterscheiden: Hat das Zeugnis formale Mängel oder bist du mit der Einschätzung deiner Leistung und der Beschreibung deiner Aufgaben unzufrieden?

Formale Fehler wie ein fehlendes Datum oder ähnliches muss der Arbeitgeber auf jeden Fall berichtigen. Schwieriger wird es, wenn es um die inhaltlichen Details geht. Du hast rechtlich einen Anspruch darauf, ein wahres und wohlwollendes Zeugnis zu bekommen. Das bedeutet zwar, dass dein Zeugnis keine negativen und kritisierenden Formulierungen enthalten darf, doch das muss nicht zwangsweise mit einer guten Beurteilung einhergehen. Sollte es soweit kommen, dass man sich gerichtlich einigen muss, gilt folgende Faustregel: Will der Arbeitgeber ein Zeugnis ausstellen, dass schlechter als 3 ist, trägt er die Beweislast. Andersherum musst du als Praktikant, wenn du ein besseres Zeugnis als 3 forderst, die Beweise dafür vorbringen.

Wenn du einen Rechtsstreit verzichten willst, aber trotzdem nicht weißt, was du mit dem schlechten Zeugnis anfangen sollst, gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Bitte deinen Arbeitgeber um ein einfaches Zeugnis statt des qualitativen Zeugnisses. So kannst du bei der nächsten Bewerbung immernoch vorbringen, dass es sich nur um ein Praktikum gehandelt hat und das Unternehmen dafür grundsätzlich nur einfache Zeugnisse ausstellt. So ist die Bewertung deiner Leistungen zwar komplett nicht vorhanden, aber dafür kannst du dies durch andere gute Zeugnisse leichter ausgleichen.


4

Streng verboten

Was ist in einem Arbeitszeugnis ganz klar verboten?
Einige Elemente sind in Arbeitszeugnissen ganz klar gesetzlich verboten. Falls du so etwas in deinem frischgebackenen Praktikumszeugnis findest, kannst du es sofort reklamieren.

  • Beleidigende Inhalte
  • Kündigungsgrund, wenn er dich belastet statt entlastet
  • Krankheit
  • Partei- oder Vereinsmitgliedschaften
  • Anschuldigungen oder Vermutungen von Straftaten (bewiesene Taten dürfen jedoch im Zeugnis genannt werden)