Werde ein glücklicher Werkstudent

Rechtliches

Welche Rechte und Pflichten habe ich als Werkstudent?

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Was muss im Vertrag stehen?

Werkstudent ist niemand ewig. Die meisten Werkstudentenverträge enthalten also eine Befristung für einen bestimmten Zeitraum und enden spätestens in dem Moment, in dem du nicht mehr als Student immatrikuliert bist. Aus diesem Grund ist in einigen Verträgen festgeschrieben, dass du jedes Semester eine aktuelle Studienbescheinigung bei deinem Arbeitgeber einreichen musst. Hast du eine unbefristete Werkstudententätigkeit an Land gezogen, bleibst du möglicherweise auch nach deinem Abschluss als Arbeitnehmer beschäftigt, bist aber, anders als noch als Werkstudent, sozialversicherungspflichtig.

Als Werkstudent darf deine Arbeitszeit in der Woche die 20-Stunden-Marke nicht überschreiten und sollte deswegen in deinem Werkstudentenvertrag genau vermerkt werden. Ebenso die Tatsache, dass du in den Semesterferien bis zu 40 Stunden die Woche arbeiten darfst. Außerdem sollte ein Hinweis zum Arbeitgebergesetz nicht fehlen, in dem festgelegt ist, dass die tägliche Arbeitszeit nur in Ausnahmen höher sein darf als acht Stunden. Arbeitest du mehr, drohen dir auch als Werkstudent Abzüge von deinem Lohn.

Kommen wir zum Wichtigsten: zu deinem Gehalt als Werkstudent. Auch das wird selbstverständlich vor Arbeitsantritt genau in deinem Werkstudentenvertrag festgelegt. Angegeben wird üblicherweise dein Bruttogehalt innerhalb eines Jahres. Wirst du als Werkstudent stundenweise bezahlt, kann es auch sein, dass dein genauer Stundenlohn in deinem Vertrag aufgeführt wird.

Deine Kündigungsfrist als Werkstudent beträgt nach dem Kündigungsschutzgesetz normalerweise vier Wochen, wenn es sich um eine ordentliche Kündigung handelt. Die muss entweder zum 15. oder zum Ende des entsprechenden Monats schriftlich bei deinem Arbeitgeber vorliegen. Vorsicht: Die Kündigungsfrist kann, je nach Arbeits- oder Tarifvertrag, auch anders festgeschrieben sein – schau daher unbedingt ganz genau in deinen Werkstudentenvertrag.

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Welche Rechte habe ich im Krankheitsfall?

Als Arbeitnehmer gilt für dich außerdem das sogenannte Entgeltfortzahlungsgesetz. Das klingt kompliziert, regelt aber, dass du auch im Krankheitsfall weiterhin dein verdientes Geld bekommst. Ein Hinweis darauf muss also auch in deinem Werkstudentenvertrag stehen. Fällst du krankheitsbedingt für längere Zeit aus, ist dein Arbeitgeber dazu verpflichtet, dir als Werkstudent für maximal sechs Wochen deinen Lohn auszuzahlen. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass du von einem Arzt krankgeschrieben bist. Ab welchem Tag dein Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sehen möchte, sollte ebenfalls in deinem Werkstudentenvertrag stehen.

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Kann ich noch einen Nebenjob machen?

Prinzipiell ist es möglich, dass du neben deinem Werkstudentenjob auch noch einen weiteren Nebenjob ausübst. Artikel 12 im deutschen Grundgesetz garantiert dir nämlich die sogenannte Berufsfreiheit. Vorausgesetzt, dein Nebenjob überschneidet sich nicht mit deiner Beschäftigung als Werkstudent.

In vielen Werkstudentenverträgen wirst du aber einen Passus finden, der festschreibt, dass ein Nebenjob dem Arbeitnehmer gemeldet werden muss. Inklusive dem Gehalt, das du als Minijobber noch dazu verdienst.

Vorsicht! Die Arbeitsstunden aus beiden Jobs werden im Monat zusammengerechnet. Ebenso wie die Gehälter. Überschreitest du in der Summe die Grenze von 20 Arbeitsstunden in der Woche oder 26 Wochen Vollzeitarbeit im Kalenderjahr, giltst du nicht mehr als Werkstudent. Und verlierst damit das Werkstudentenprivileg. Dann werden als ehemaliger Werkstudent Sozialabgaben fällig wie bei einem Vollzeitangestellten. Ein Dasein als Werkstudent und Minijob nebenher ist also generell erlaubt, muss aber gut geplant werden.

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Gesetzliche Krankenversicherung als Werkstudent

Wer sich in Deutschland an einer Hochschule einschreiben will, der muss bei der Immatrikulation nachweisen, dass er krankenversichert ist. Bist du bei der Einschreibung jünger als 25 Jahre, kannst du über die gesetzliche Krankenkasse deiner Eltern mitversichert bleiben. Erst nach deinem 25. Lebensjahr musst du dich selbst um deine Krankenversicherung kümmern. Beginnst du vor Vollendung deines 25. Lebensjahres Werkstudentenjob, die dir im Monat nicht mehr als 450 Euro einbringt und damit innerhalb der Geringfügigkeitsgrenze liegt, brauchst du dir um deine Krankenversicherung als Werkstudent keine Gedanken zu machen. Du bleibst über die Familienversicherung krankenversichert.

Anders sieht es aus, wenn es sich bei deinem Werkstudentenjob um einen sogenannten Midijob handelt. Einen Midijob hast du dann, wenn dein monatliches Einkommen zwischen 450,01 und 850 Euro brutto liegt. Dann musst du dich selbst um deine Werkstudent Krankenversicherung kümmern, auch wenn du unter 25 bist und theoretisch noch einen Anspruch auf Familienversicherung als Werkstudent hättest. Was ein Midijob für Auswirkungen auf dein BAföG hat, falls du welches beziehst, kannst du übrigens hier nachlesen.

Wie teuer wird es?

Seit 2015 setzen sich die Krankenkassenbeiträge, die Werkstudenten monatlich zahlen müssen, aus drei Komponenten zusammen: Dem sogenannten Sockelbetrag, einem Beitrag für die Pflegeversicherung und einem Zusatzbeitrag, der je nach gesetzlicher Krankenkasse anders ausfällt.

Als Grundlage für den Sockelbetrag wird der BAföG Satz von 597 Euro genommen. Davon werden pauschal 10,22 Prozent als Werkstudent Krankenversicherung abgezogen. Das sind umgerechnet 61,01 Euro jeden Monat. Darauf kommt noch der Beitrag für die Pflegeversicherung, der 2,35 Prozent (14,03 Euro) beträgt, wenn du jünger als 23 Jahre bist. Studierende, die älter sind als 23 Jahre und keine Kinder haben, zahlen 2,6 Prozent (15,52 Euro) an die Pflegekasse. Wie hoch der Zusatzbeitrag deiner Krankenkasse jeweils ausfällt, solltest du in Erfahrung bringen, bevor du deinen Werkstudentenvertrag unterschreibst. Im Schnitt werden im Monat etwa 80 Euro fällig, wenn du als Werkstudent die Krankenversicherung selbst zahlen musst. In einer studentischen Krankenversicherung kannst du bist zum 14. Semester oder bis zum 30. Lebensjahr versichert sein.

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Private Krankenversicherung als Werkstudent

Willst du als Student weiter in der privaten Krankenversicherung deiner Eltern bleiben, musst du dich rechtzeitig vor Studienbeginn von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen. Diese Entscheidung ist dann für den Rest deines Studiums nicht wieder rückgängig zu machen – auch dann nicht, wenn du einen Werkstudentenjob antrittst. Das hat natürlich Auswirkungen auf deine Werkstudent Versicherung.

Wenn du über deine Eltern privat krankenversichert bist, weil mindestens ein Elternteil Beamter ist, gibt es vom Staat bis zu 80 Prozent Beihilfe für dich. Das ist erstmal positiv, allerdings musst du aufpassen, sobald du über 25 Jahre alt bist. Denn die Beamtenbeihilfe ist an das Kindergeld geknüpft, das ja wegfällt, sobald du das Vierteljahrhundert vollendest. Danach müsstest du dich selbst privat versichern, was evtl. über einen privaten Studententarif möglich ist. Erkundige dich deshalb frühzeitig, wie deine private Krankenversicherung es mit diesen Regelungen handhabt! Während des Studiums von der privaten in die gesetzliche Krankenkasse zu wechseln ist nämlich ab drei Monate nach Immatrikulation nicht mehr möglich. Natürlich darfst du auch als Studierender, der privat krankenversichert ist, die 20-Stunden-Wochenmarke nicht knacken. Es kann außerdem passieren, dass du ab einem bestimmten Verdienst im Monat keinen Anspruch mehr auf die staatlichen Beihilfetarife deiner Eltern hast – auch wenn du noch keine 25 Jahre alt bist. Auch deswegen solltest du dich bei deinem privaten Krankenversicherer erkundigen, wieviel du in deinem Werkstudentenjob verdienen darfst.

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Rentenversicherung als Werkstudent

Trotz Werkstudentenprivileg musst du als Werkstudent Rentenversicherung zahlen, sobald du über 450,01 Euro brutto monatlich verdienst. Ab diesem Zeitpunkt gilt für dich die sogenannte Gleitzonenregelung wie für alle anderen Arbeitnehmer, die einen Midijob (bis 850 Euro brutto im Monat) ausüben. Dafür bist du ansonsten von der Sozialversicherungspflicht befreit. Du zahlst also weder in die Kranken-, noch in die Pflege-, noch in die Arbeitslosenversicherung ein.

Nach aktuellem Stand betragen die Rentenversicherungsbeiträge zusammengerechnet 18,7 Prozent von deinem Gehalt als Werkstudent. Dein Arbeitgeber übernimmt immer genau die Hälfte davon: also 9,35 Prozent. Dein eigener Rentenversicherungsbeitrag richtet sich dagegen nach der Höhe deines Gehalts und beträgt zwischen 4 und 9,35 Prozent im Monat.

Verdienst du in deinem Werkstudentenjob weniger als 450 Euro im Monat, zahlst du zwar auch einen monatlichen Beitrag an die Rentenkasse. Dein Beitrag fällt aber deutlich geringer aus, weil dein Arbeitgeber 15 Prozent deiner Rentenversicherungsbeiträge übernimmt, wenn du geringfügig beschäftigt bist. Als Minijobber zahlst du lediglich den Differenzbetrag von 3,7 Prozent ein.

Von der Werkstudent Rentenversicherung kannst du dich in einem Minijob befreien lassen. Dein Arbeitgeber überweist dann weiterhin 15% für dich an die Rentenkasse, nur dein Differenzbetrag entfällt.

Lässt dich von der Rentenversicherung als Werkstudent befreien, hat das natürlich Auswirkungen auf deine spätere Rente. Die berechnet sich dann nur aus den 15 Prozent, die dein Arbeitgeber eingezahlt hat, statt aus den eigentlichen 18,7 %. Das kann dazu führen, dass du später weniger Rente bekommst.