Praktikum bei CEA Regenwald Station Lisan Yacu

So wurde CEA Regenwald Station Lisan Yacu von ehemaligen Praktikanten bewertet

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    8 Wochen Hochschulpraktikum im Jahr 2013

    Das ist Regenwaldschutz!? Erfahrungsbericht über ein kostenpflichtiges Praktikum in der „CEA Regenwald Station Lisan Yacu, Ecuador“

    Ich bin Masterstudentin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und studiere derzeit „Naturschutz und Landschaftsökologie“ an der Landwirtschaftlichen Fakultät. Um mehr praktische Erfahrung sammeln zu können, entschied ich mich letztes Jahr für ein Praktikumssemester und bewarb mich unter anderem bei der „CEA Regenwald Station Lisan Yacu“ (auch: CEA Centro de Education Ambiental). Das Zentrum wurde im Jahre 2001 in Ecuador, Provinz Napo, gegründet und befindet sich aktuell oberhalb der Quichua- Comunidad Serena am Rio Lisan Yacu in unmittelbarer Nähe des Llanganates Nationalparks und des Rio Napo. Der Verein setzt sich laut Internetseite Folgendes zum Ziel: Schutz der Biodiversität des ecuadorianischen Amazonasgebietes und Unterstützung der indigenen Bevölkerung der Region. Aktiv und finanziell unterstützt wird der Verein zur Zeit vor allem von Volontären die monatlich (zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes) 350 Euro, umgerechnet ca. 448 US Dollar auf das Vereinskonto überweisen. Zusätzlich existiert in Sinsheim, Deutschland der Partnerverein „Regenwaldschutz in Ecuador e.V.“. Am 5. Dezember 2012 flog ich nach Quito, Ecuador und begann einige Tage später mein geplant 3-monatiges Praktikum im Regenwald. Erhofft hatte ich mir davon einen lehrreichen Aufenthalt bei dem ich Erfahrungen in naturschutzfachlichen Methoden sammeln kann und des weiteren einen fundierten Einblick in die Ökologie des tropischen Regenwaldes bekomme. Mit den in meinem Praktikumsvertrag (vom 31.07.2012) aufgelisteten Arbeitsfeldern konnte ich mich idenitifizieren und begann somit erwartungsvoll das Praktikum. Leider musste ich schon nach kurzer Zeit enttäuscht feststellen, dass das vorab Versprochene nicht eingehalten wurde.

    Praktikumsinhalte wurden kaum eingehalten

    Ohne eine Einweisung zum Umgang mit unserem Standardwerkzeug, der Machete, zum Umgang mit Gefahren im Regenwald, v.a Schlangen und zur Technik der Wiederaufforstung, bestanden meine ersten Stunden auf der Station daraus, Bäume einzupflanzen. Es wurde sich keine Mühe gegeben den Start für die Neuankömmlinge ein wenig durch Beschreibung oder Erläuterung der Projektinhalte zu vereinfachen. Dank der anderen Volontäre wurden mir wenigstens die einzupflanzenden, seltenen Wertholzarten genannt. Insgesamt habe ich aber nur an maximal 7 Tagen meines Aufenthaltes an der Wiederaufforstung gearbeitet. Den Rest der Zeit verbrachten wir Volontäre größtenteils mit dem Bau eines Wasserkraftwerkes direkt auf der Station im Regenwald. Zu den täglichen Aufgaben zählten: Steine und Sandsäcke schleppen, betonieren, Fundamente graben, Verschalungen bauen und Platz für u.a. zu legende Rohre und die Dammmauer zu schaffen. Das Freischlagen von Flächen geschah mithilfe von Macheten. Auf diese Arbeiten wurde ich vorab niemals hingewiesen und dementsprechend überrascht war ich. Eine Bereicherung an Wissen blieb leider weitestgehend aus. In meinem Fall hätte ich mir persönlich erhofft, etwas über die Fauna des Regenwaldes zu lernen. Mit einem dort vorhandenen Vogelbuch eignete ich mir selber in den freien Stunden ein paar typische Artnamen etc. an. Von der Projektleitung wurde mir dann ein ornithologischer Tag auf der Station versprochen, was jedoch nie eingelöst wurde.

    Tourismuspraktikum?

    Da der Projektleiter in der nahegelegnene Stadt „Tena“ auch das Hostal „Tena Ñaui“ besitzt (in dem wir am Wochenende untergebracht wurden) kam es nicht selten vor, dass Touristen für zwei Tage in den Regenwald auf die Station kamen, um von dort aus Touren zu unternehmen. An diesen Tagen bekam man den Eindruck dass gerade Touristen zukünftig mehr von der von uns aufgebauten Anlage profitieren sollen. Ein sehr deutlicher Hinweis darauf ist, dass es ab Oktober 2013 keine Volontäre mehr geben wird. Umso fragwürdiger wurden somit alle von uns errichteten „regenwaldschützenden“ Arbeiten, darunter vor allem das Wasserkraftwerk. Das Praktikum beinhaltet scheinbar überwiegend die Komforterhöhung der geplanten touristischen Anlage. Oft sollten wir Volontäre Bauholz und Möbel für das Hostal von der Station runter zu den Straßen tragen. Viel zu offentsichtlich wurden Touristen stets besser behandelt als Volontäre. Besonders auffallend war dies bei der Nahrungsaufteilung. Es wurde gemeinsam an einem Tisch gegessen, jedoch bekamen Touristen grundsätzlich größere und auch reichhaltigere Portionen (z.B. wurde uns nur Reis mit Bohnen serviert, während ein Huhn zusätzlich auf zwei Touristen aufgeteilt wurde). Die Praktikumsbetreuung fiel vor allem bei der Anwesenheit von Touristen völlig weg. Zu betonen ist auch, dass die Einnahmen von den Touristen nicht in das Projekt selbst, sondern in die Tourismusagentur namens „Mundopuma“2 fließen (Besitzer auch Herr Töniges, Projektleiter).

    Entwicklungsarbeit?

    Ein Ziel des Projektes soll die Unterstützung der indigenen Bevölkerung sein. Zwar sind alle Angestellten indigene Quichua aber von Entwicklungsarbeit ist keine Spur. Die Mitarbeiter haben weder einen Arbeitsvertrag noch eine Krankenversicherung, die gesetzlich vorgeschrieben wäre und sind auch nicht, wie durch den Internetauftritt des CEA-Lisan Yacu dargestellt, gleichberechtigt. Wird ihnen gekündigt, wie erst kürzlich der einen Köchin, fehlt ihnen jeglicher Nachweis ihrer langjährigen Arbeit. Weiterhin existiert kein Arbeitsplan, so dass die Quichuas meist erst sehr kurzfristig wissen, wann sie gebraucht werden und somit keinerlei finanzielle Sicherheit haben. Falls Touristen die Preise ihrer Touren mit dem Projektleiter und Eigentümer des Hostals verhandeln, wird an dem Gehalt der Köchinnen gespart. Diese berichteten uns daraufhin von ihren großen finanziellen Nöten. Bei der Arbeit handelt es sich, wie schon beschrieben, um schwere körperliche Arbeit, bei der keinerlei Rücksicht auf die gesundheitlichen Probleme der Angestellten genommen wird (z.B. durch Arbeitsschutz, Handschuhe etc.). Nicht selten müssen sie sich deswegen medizinisch behandeln lassen. Dabei gäbe es Möglichkeiten z.B. schwere Lasten per Pferde zu transportieren. Auch das wenige Werkzeug war stark veraltet und führte zu Verletzungsgefahren. Auf der Station (ca. 3 Stunden entfernt von der Zivilisation) waren keine Notfallmedikamente (wie vorab vom Praktikumsleiter bestätigt) vorhanden. Lediglich ein kleiner Verbandskasten.

    Praktikumsbeitrag und intransparente Finanzierung

    Für das Praktikum zahlte ich monatlich 350 Euro. Bei dieser Summe handelte es sich, laut Internetseite, um Kosten die von jedem Praktikant verursacht werden. Genannt wurden ausschließlich: Übernachtung, Verpflegung, Material- und Fixkosten, zu einem gewissen Teil Exkursionsgebühren. Auf Nachfrage bei den Angestellten fanden wir Praktikanten jedoch heraus, dass auch deren Gehälter und Verpflegung von unserem Geld bezahlt wird. Der Projektleiter gab selbst zu, dass das gesamte Projekt und die Station, die auch von Touristen genutzt wird, im Moment von den Praktikanten finanziert wird. Leider fließt dem Projekt und somit auch der Station kein durch den Tourismus verdientes Geld zu. Keine der Exkursionen wurden von unserem monatlichen Geld bezahlt. Wir mussten für jeden Ausflug und sogar für die Verpflegung während der Exkursion extra zahlen. Wofür der Praktikumsbeitrag schlussendlich noch alles verwendet wird, wurde leider nicht transparent dargestellt. Sicher ist allerdings, dass durch die 350 Euro weit mehr als nur die Unkosten der Praktikanten gedeckt werden.

    Nahrungsmangel

    Trotz Praktikumsbeitrag und schwerer körperlicher Abeit mangelte es grundsätzlich an Essen. Als Beispiel: 2 Packungen Spaghetti für 12 Personen. Dabei ist es in einem Land wie Ecuador kein Meisterwerk genügend energiegebende Kohlenhydratlieferanten wie Reis, Yucca, Kartoffeln oder Nudeln günstig zu kaufen. Wer einmal in einem tropischen Klima stundenlang Sand geschleppt hat, weiß was es bedeutet, wenn man zu wenig Essen bekommt. An den Wochenenden wurde der Essensschrank der Voluntäre nach 19:00 Uhr abgeschlossen. Auf Nachfrage hieß es, „es soll Nachts nicht mehr gekocht werden und außerdem müssen euch drei Mahlzeiten pro Tag reichen.“. Uns allen wurde vom Praktikumsleiter vorgeworfen zu viel zu kosten, außerdem wäre unser angeblicher Nahrungsmangel auf ein Luxuproblem zurückzuführen. Ob es auch ein Luxuproblem ist, mehrere Kilo im Regenwald abzunehmen? Falls das Essen auf der Station im Wald knapp wurde und kein Nachschub durch die Betreuer aus der Stadt kam, mussten teilweise die Köchinnen unbezahlt auf ihre eigenen Felder gehen, um dort Yuccawurzeln (auch Manioc genannt) zu ernten. Ihre Felder sollen dazu dienen, die Familiezu ernähren.

    Das Praktikum war für mich insgesamt eine große Enttäuschung. Es hat keine von meinen Erwartungen und Hoffnungen erfüllen können. Die Stimmung war größtenteils sehr angespannt und wir Volontäre hatten oft das Gefühl, außer als „Geldgeber“ nicht erwünscht zu sein. Vielmehr dominierte das Gefühl, als billige Arbeitskraft benutzt zu werden. Des öfteren haben wir Volontäre uns anfänglich bemüht, Verbesserungsvorschläge zu äußern (z.B. wöchentliches Verfassen eines Arbeitsplanes, Verbesserung der Essensregelung und Einführung eines lehrreichen Praktikumstages). Nachdem viele dieser Vorschläge vorerst akzeptiert schienen, wurden sie äußerst selten nachhaltig in die Tat umgesetzt. Der von uns geübten Kritik wurde stets mit Unverständnis, z.T. auch schroffer Ablehnung begegnet. Eine vernünftige Kommunikationsbasis konnte somit leider nicht hergestellt werden. In dem Projekt wird an allem gespart, um möglichst viel Profit zu schlagen. Die alte Projektstation „Misahualli“ samt Hütten (von ehemaligen Praktikanten aufgebaut) und 110 ha kostbarer Primärregenwald stehen seit einiger Zeit für 120.000 Euro zum Verkauf 3. Auch das mühsam aufgeforstete Balsaholz soll verkauft werden. Volontäre kümmern sich momentan eigenständig um eine mögliche FSC- Zertifizierung (Forest Stewardship Council) um eine nachhaltige Forstwirtschaft zu gewährleisten und um irreversible Zerstörungen oder mittel- bis langfristige Störungen des Waldes mitsamt seiner zahlreichen vielfältigen Funktionen zu verhindern. Mein Praktikum habe ich aus all diesen Gründen nach 8 Wochen abgebrochen.

    Nachweise und Anhang

    http://www.cea-amazon.org/german/cea-regenwald-station/ 2 http://www.mundopuma.com/ http://www.immobilien-realestate.com/product_info.php?info=p54619_Amazonas- Regenwald-Schutzgebiet-in-Misahuallli.html&XTCsid=7e5e94a185f4bc9cd60d09ff64b6096e

    Praktikumsvertrag als pdf Datei leider nicht an diesen Text anhängbar. Bei nachfrage, verschicke ich den Vertrag gerne.