Praktikum bei CEA-Amazon

So wurde CEA-Amazon von ehemaligen Praktikanten bewertet

  • 7,0h Ø Arbeitszeit
  • 0,- Ø Verdienst
  • 50% Weiterempfehlung
Gesamtwertung 1 Berichte
4,1
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  • » Ökologiepraktikum im Amazonas-Regenwald «
    10 Wochen Hochschulpraktikum im Jahr 2013

    Hallo an alle, dieses Jahr war innerhalb meines Studiums in den Sommersemesterferien zwischen dem 4. und 5. Semester ein Berufspraktisches Projekt vorgesehen. Studiengang Geoökologie. Ich wollte in diesen Zeitraum sinnvolle und nachhaltige praktische Erfahrungen sammeln und wenn möglich im fernen Ausland. Ich war im Vorfeld über einen Aushang auf die Praktikumsstelle CEA-Lisanyacu gestoßen und habe mich sofort dafür interessiert.

    Ich hatte mich mit den sehr freundlichen Verantwortlichen der Praktikumsstelle „Jens und Robby“ in Verbindung gesetzt und bin dann letztendlich Mitte Juli im Ecuador-Amazonasgebiet für 3 Monate angekommen. Ich habe mich natürlich erkundigt im Vorfeld und bin aber glücklicherweise auf die Negativ-Werbung im Internet nicht reingefallen. Für mich war es eine sehr schöne Zeit hier im Regenwald und in vielen Dingen auch sehr lehrreich.

    Angenehm überrascht wurde ich bei meiner Ankunft von dem Tatbestand, dass insgesamt die beiden deutschen Leiter eingebunden sind in der Regenwaldstation gleichberechtigt mit den Vorort dominierenden Amazonas-Kichwa-Indianern.

    Das fand ich sehr spannend und ich hatte das Gefühl, dass hier mein Praktikumsbeitrag gut eingesetzt wird. Es war eine wirklich angenehme-familiäre Atmosphäre. Unsere ständigen Begleiter während der Arbeit im Regenwald Ramiro, Irma und Oswaldo hatten mir sehr viel erklärt und wir Volontäre fühlten uns wie der Teil einer Urwaldfamilie.

    Jens, Mitbegründer und Projektleiter von CEA-Amazon sowie Ansprechpartner von Regenwaldschutz in Ecuador e.V, der zum Teil auch in Deutschland mit seiner Familie lebt, hatte mich schon im Vorfeld auf bestimmte gefälschte Meldungen im Internet hingewiesen und das ich das nicht unbedingt glauben sollte. Er hatte mir erklärt, dass CEA-Amazon sowie das Hostal Tena Naui seit knapp 7 Monaten Opfer einer Mobbing-Kampagne sind, verursacht von 2 ehemaligen deutschen Studentinnen, die im Januar dieses Jahres ein Praktikum machten und mit denen es anscheinend einige Probleme gab. Sie versuchen mit gefälschten Namen alles zu tun um auch „wirklich alles schlecht zu machen“, so Jens. Unsere Kichwa-Begleiter hatten mir auch nicht sehr positiv von diesen Studentinnen erzählt und ich musste mich da wirklich etwas schämen, welches arrogante Bild manchmal wir Deutsche im Ausland abgeben – frei nach dem Motto wir wissen alles besser und alle anderen sind doof. Wenn man die Berichte der Mobber liest und mit der Wirklichkeit vergleicht, sowie die ganzen Menschen mit ihren Familien um CEA-Amazon herum kennengelernt hat sind diese Behauptungen und Beschuldigungen ungeheuerlich. Das musste ich jetz auch mal an dieser Stelle loswerden.

    Unsere Arbeitszeit war unter der Woche im Feld also draußen - auf der Station Lisanyacu oder in dem Balsa-Pflanzungsprojekt in Misahualli. Am Wochenende hatten wir dann die Zeit uns im Hostal Tena Naui in der Provinzhauptstadt Tena, dass fast ausschließlich nur von Studenten und Backpackern genutzt wird, etwas Zivilisation aufzutanken. Das Hostal wird ebenfalls hauptsächlich von Kichwas geleitet, Sandy/Vladi + Baby. Robby unser Volontärs-Leiter stand bei technischen und organisatorischen Fragen zur Seite. Hier im Hostal wurden wir auch zum Teil bekocht oder haben nach Absprache auch selber gekocht. Das Essen war sehr gut und ausreichend.

    Die Regenwald-Station Lisan Yacu liegt auf 600m über N.N. und umfasst ein Gebiet von 33 ha. Davon wird auf ungefähr zwei Hektar teils Wiederaufforstung, teils Anbau von Nutzpflanzen wie Yuca und Cacao betrieben. Diese Flächen sind entweder alte Ackerflächen oder vom Sturm zerstörte Flächen. Die restlichen 31 ha sind Primärwald und werden als Schutzwald für wissenschaftliche Arbeiten genutzt.

    Die Station wird von einer Bauern- Kooperative „Asociacion Lisanyacu Iloculin“ in Zusammenarbeit mit Robby und Jens von CEA-Amazon. Die Leute, die dort arbeiten, ständig oder auch gelegentlich sind alle Mitglieder von der „Asociacion Lisanyacu Iloculin“. Diese sind auch mitverantwortlich für den Einsatz unserer Praktikumsbeiträge - also wirklich gut angelegt.

    Wir haben bspw. die Samen des Chuncho-Baumes (Cedrelinga cateniformis) gesammelt und anschlieβend in zwei Baumschulen ein Tüten gesetzt. Ein weiterer Arbeitsbereich war die Dokumentation einer bereits wiederaufgeforsteten Fläche. Die Bäume der einzelnen Reihen wurden nummeriert und die Art (Mahagoni, Cedro, Bálsamo, Chuncho) und Wuchshöhe notiert. Abgestorbene Exemplare wurden durch neue Mahagoni-Pflänzchen ersetzt.

    Es wurden auch eine Windwurffläche wiederaufgeforstet. Dazu haben wir mit der Machete geradlinige Schneisen freigeschlagen, um genügend Lichteinfall zu garantieren. Im Abstand von ungefähr vier Metern wurden Mahagoni und Cedro gepflanzt und wie bereits beschrieben dokumentiert. Aus kulturgeographischer Sicht war die Kommunikation mit den Indigenen sehr lehrreich.

    Durch die tägliche Zusammenarbeit mit den Einheimischen konnte ich die Lebensweise und Kultur der Quichua kennenlernen. Die teils landesüblichen Mahlzeiten wurden für uns von zwei ortsansässigen Frauen gekocht und hin und wieder durften wir bei der Zubereitung der frischen Zutaten aus dem Regenwald helfen. Auch das Leben auf den Stationen, ohne Strom und nur mit Regenwasser in den typischen Cabañas, fernab von der Zivilisation und ohne Handyempfang brachte den Alltag einer Quichua-Familie näher.

    Von dem groβen Wissen über die umfassende Nutzung der Pflanzen zu verschiedensten Zwecken wie Medizin, Nahrung und Hausbau wurde uns viel übermittelt. Auch bei den Exkursionen, die von der Organisation durchgeführt wurden, habe ich in diesem Bereich viel mitgenommen.

    Eine Einführung in die Artesanía, der traditionellen Handwerkskunst mit Samen und Bändern, war eine interessante Erfahrung, da viele Menschen durch den Verkauf der hergestellten Schmuckstücke ihr Leben finanzieren und vor allem die Besucher/Touristen, die ab und zu mal die Station und den Regenwald besuchten sich über das eine oder andere Souvenir freuten.

    Während des gesamten Praktikums habe ich es nicht bereut, bei CEA–Lisanyacu mein Praktikum durchzuführen. Man lernt Dinge, die man nicht in Büchern lesen kann und erhält einen Einblick, wie sinnvoller Regenwaldschutz tatsächlich aussehen könnte. Ich kann dieses Praktikum sehr empfehlen.

    Praktikumsinfo: www.cea-amazon.org